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„Hängt die Weißen“ – Französischer Rapper löst Debatte über Kunstfreiheit aus

von Timo Kirez

Sie sitzen in ihrem Auto und fahren entspannt eine Straße lang. Das Autoradio läuft. Plötzlich hören Sie folgende Liedzeile:
„Ich gehe in einen Kindergarten und töte weiße Babys. Ich fange schnell die Eltern und hänge sie zum Zeitvertreib auf.“
So lässt sich sinngemäß eine Liedzeile von „Hängt die Weißen“ des französischen Rappers Nick Conrad übersetzen. Zwar lief der Song noch auf keiner Radiostation, dafür ist er aber auf YouTube zu finden.
Achtung, dieses Video enthält verstörende Bilder!

Conrad war bisher noch nicht mit radikalen Parolen und Liedern aufgefallen. Er zählt vielmehr zur zweiten Liga der französischen Rapper. Nun katapultiert ihn sein Lied mitten hinein in eine ohnehin schon gereizte französische Öffentlichkeit. 
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Nun drohen sogar juristische Konsequenzen. Die Pariser Staatsanwaltschaft kündigte am Mittwoch Ermittlungen gegen den Musiker wegen des öffentlichen Aufrufs zur Gewalt an. Selbst der französische Innenminister meldete sich zu Wort. Über seinen Twitter-Account verurteilte er den Song und dessen Aussagen scharf. Seine Behörde werde alles daransetzen, die Verbreitung solcher Inhalte zu stoppen. Die Justiz werde sich der Sache annehmen.
#NickConrad : je condamne sans réserve ces propos abjects et ces attaques ignominieuses.Mes services œuvrent au retrait sans délai des contenus diffusés.Il appartiendra à l’autorité judiciaire de donner les suites appropriées à ces odieux appels à la haine.— Gérard Collomb (@gerardcollomb) 26. September 2018
Gegenüber dem Radiosender RTL Frankreich erklärte Conrad, dass er das Lied nicht aus Publicity-Gründen gemacht habe. Vielmehr solle sein Clip zum Nachdenken anregen. Er verstehe die Leute nicht, die sein Werk nur oberflächlich betrachten. Er habe nicht zu Hass aufrufen, sondern das Thema Rassismus greifbar machen wollen.
Gegenüber der französischen Tageszeitung Le Parisien bedankte sich Conrad für die „Unterstützung von [US-]Amerikanern, die einen offeneren Blick auf den künstlerischen Ausdruck haben“. Er sprach von einem beabsichtigten, aber notwendigen Schock. Er bedauere, dass die „Leute nur das Negative [des Songs] wahrnehmen“.
Der Hauptzweck des Videoclips sei es gewesen, die Geschichte des schwarzen Volkes nachzuzeichnen. Das Stück sei wie ein Spiegel, eine Antwort auf die Ungerechtigkeiten, die Schwarze seit der Sklaverei erlebt hätten. Trotzdem sei das Ganze nur Fiktion. Er habe „die Rollen des Weißen und des Schwarzen Mannes umkehren [wollen], um eine andere Wahrnehmung der Sklaverei“ vorzuschlagen.
Auch persönliche Erfahrungen hätten eine Rolle gespielt:

Ich wurde von meiner persönlichen Erfahrung und dem, was ich in meinem täglichen Leben als Künstler beobachte, inspiriert. Ich habe den Eindruck, dass der Schwarze immer mehr Anstrengungen unternehmen muss, um sich zu integrieren und in die Form zu passen, die ihm die Gesellschaft aufzwingen will: in der Schule, auf der Straße, bei einem Vorstellungsgespräch….“, so Conrad.

Die französische Politik reagiert entsetzt auf den Vorfall. Von links bis rechts. Die linke Partei „La France insoumise“, die zugleich Oppositionsführerin ist, twitterte zusammen mit dem Hashtag #NickConrad:

Alle Rassisten, alle Hassgefühle der Gemeinschaft sind unsere Feinde. Kein Aufruf zum Mord sollte ungestraft bleiben! In Frankreich ist Rassismus keine Meinung, sondern ein Verbrechen!

Tous les racistes, toutes les haines communautaristes sont nos ennemis. Aucun appel au meurtre ne doit rester impuni ! En France, le racisme n’est pas une opinion mais un délit ! #NickConrad— Jean-Luc Mélenchon (@JLMelenchon) 26. September 2018
Die Parteichefin des Rassemblement National Marine Le Pen sprach in ihrem Tweet von einem Aufrauf zum Hass, der nichts mit Kunst zu tun habe.
Alors que de nombreux compatriotes subissent un racisme anti-Blanc dont aucun expert autoproclamé ni média ne parle, cette provocation ne doit pas rester impunie. Il n’y a rien d’artistique dans ce qui est purement et simplement un appel à la haine et au meurtre ! MLP #NickConradhttps://t.co/MMbyQsu14Q— Marine Le Pen (@MLP_officiel) 26. September 2018
Es ist beileibe nicht das erste Mal, dass ein Rap-Song für Kontroversen sorgt. Im Mai dieses Jahres sorgte der US-amerikanische Musiker und Schauspieler Donald Glover (Künstlername Childish Gambino) mit seinem Song „This is America“ weltweit für Aufregung. Vor allem das Video, das mittlerweile über 400 Millionen Male geklickt wurde, wurde wochenlang in den Medien analysiert. Denn anders als Conrad verpackt Childish Gambino seine Kritik trotz einiger gewalttätiger Szenen deutlich subtiler.

Rap und Kontroversen haben eine lange Tradition. Nicht nur, seitdem Farid Bang & Kollegah der ehemalige deutsche Musikpreis „Echo“ verliehen wurde. Der Streit, ob bestimmte Texte der beiden antisemitisch seien, führte gar zur Abschaffung des Musikpreises in seiner jetzigen Form. Doch auch schon früher provozierten Rap-Musiker oft und gerne. Zwie Beispiel seien hier genannt.
In ihrem Song „Fuck Tha Police“ prangert die Gruppe N.W.A. Polizeibrutalität und Rassendiskriminierung an. Der aufgeladene, wütende Song wurde 1988 veröffentlicht – in einer Zeit extremer Rassenspannungen in den USA.

In 1992 erschien der Song „Cop Killer“ der Gruppe Body Count um den Rapper Ice-T. Der Song mit Liedzeilen wie diese sorgten für massive Kritik:
„I’d like to take a pig out into the parking lot and shoot them in the motherfucking face“ (Sinngemäß etwa: „Ich möchte ein Bullenschwein auf den Parkplatz schleppen und in sein verdammtes Gesicht schießen“).
Einige Medien warfen der Band vor, zu Gewalt aufzurufen. US-Polizisten fühlten sich bedroht.

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