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Hegelplatz 1 | Umarmt die Fehler!

Jakob Augstein weiß, dass Beichten gut tun kann. Doch kann es die aktuelle Regierung aus der Krise retten? Wir hier am Hegelplatz haben ein Ritual: Jeden Morgen steht einer von uns in der Konferenz auf und entschuldigt sich. Jeder ist einmal an der Reihe. Die anderen müssen ihm dann vergeben und ihn für seine Stärke loben. Das ist ein so schönes Gefühl. Man wird gleichzeitig seine Schuld los und bekommt die Achtung der anderen. Heute bin ich dran. Es tut mir Leid. Wirklich. Es spielt jetzt keine Rolle, worum es geht, aber ich bereue es aus tiefstem Herzen. Ich entschuldige mich. Das tut so gut. Weil wir hier das schon seit Jahren mit solchem Erfolg praktizieren, weiß ich genau, wie sich Andrea Nahles und Angela Merkel gerade fühlen. Ja, sie haben Fehler gemacht. Das mit diesem Verfassungsschützer, der dauernd rechte Sprüche loslässt, war einfach falsch. Innenstaatssekretär? Beförderung als Belohnung für Fehlverhalten? Klar, dass das so nicht geht. Und das haben Nahles und Merkel jetzt auch eingesehen. „Ich fühle mich stark genug, einen Fehler einzugestehen und ihn zu korrigieren.“ Wie stolz sie das gesagt hat, die Andrea. Sie ist eben eine starke Frau. Ebenso wie unsere Kanzlerin. Natürlich kann sie sich als Kanzlerin nicht selber loben, das versteht sich von selbst. Das muss für sie die CDU-Generalsekretärin übernehmen. Die Kanzlerin habe „in aller Deutlichkeit gesagt“, dass die erste Entscheidung ein Fehler gewesen sei, hat Annegret Kramp-Karrenbauer im Fernsehen gesagt und sich dann noch mit den Worten „Ich glaube, das ist auch ein Zeichen von Stärke, auch von Führungsstärke“ vor der Kanzlerin verneigt. Wir alle sollten es mit ihr tun. Jeder, der sich entschuldigt, verdient, dass man ihm vergibt. Ich bin ganz sicher, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sich die beiden auch für die Sache mit dem Sonderberater entschuldigen, die ja genauso bescheuert ist wie die mit dem Innenstaatssekretär. Wir hier am Hegelplatz haben aber noch etwas gelernt: dass man selber auch viel besser vergeben kann, wenn einem vergeben wird. Ehrlich. Jedes Mal, wenn ich das Pardon der Kollegen eingesammelt habe, komme ich viel besser damit zurecht, wenn in einer Unterzeile ein Druckfehler auftaucht. Schwamm drüber, rufe ich dann lachend. Und ich bin sicher, dass es unserer geliebten Kanzlerin genauso geht. Sie ist wie der König David. Heilige und Sünderin zur gleichen Zeit, und ihre Herrschaft ist voller Licht und Schatten. Aber weil sie selber bereut, kann sie die Reue der anderen belohnen. Als einer den König David einmal einen Mörder nannte, wollten seine Leute den Mann töten. Er aber hielt sie zurück mit den Worten: „Wenn dieser mich verflucht, dann hat es ihm sicherlich der Herr geboten.“ Denn in seinem Herzen spürte David: Ich habe es verdient. Ich bin absolut sicher: Genauso geht es der Kanzlerin mit Horst Seehofer.Lesen Sie mehr in der aktuellen Ausgabe des Freitag.

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