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Mord an bulgarischer Journalistin: Verdächtiger offenbar gefasst, aber viele Fragen bleiben

Es ist der dritte Journalisten-Mord binnen eines Jahres in der Europäischen Union. Und alle drei Opfer recherchierten im Bereich der Korruption. Der jüngste Fall, der ganz Bulgarien und die EU erschüttert, ist die Ermordung einer 30-jährigen Journalistin aus der nordbulgarischen Stadt Russe. Wiktorija Marinowa, Moderatorin eines lokalen TV-Senders, war am Samstag in einem Park am Donauufer ihrer Stadt entdeckt worden, wo sie joggen gegangen war. Da sie zuletzt über Korruptionsverdacht im Zusammenhang mit EU-Fördergeldern berichtet hatte, kamen gleich Fragen nach dem Motiv auf. Aus Brüssel kam die Forderung nach tiefgreifenden Ermittlungen.

Die Leiche von Wiktorija Marinowa wurde nach Berichten bulgarischer Medien zufällig von einem Passanten gefunden. Die 30-Jährige soll den Aussagen ihrer Freunde zufolge täglich entlang der Donau gejoggt haben, weil sie sich für einen Crosslauf vorbereitet habe. Als sie nach einigen Stunden nicht zurückgekehrt war, begann ihre Familie mit der Suche. Sie war zu dem Zeitpunkt telefonisch nicht mehr erreichbar.
Sie soll vergewaltigt, geschlagen und danach erwürgt worden sein 
Die Stadt habe noch nie ein so brutales Verbrechen erlebt, zitierten lokale Medien Kriminologen, die mit dem Fall vertraut seien. Die Frau soll vergewaltigt und danach ermordet worden sein. Sie habe schwere Kopfverletzungen erlitten und sei höchstwahrscheinlich durch Ersticken gestorben, sagte der Staatsanwalt von Russe, Georgi Georgiew, den lokalen Medien.

Ihr Mobiltelefon, ihre Autoschlüssel, ihre Brille und einige Kleidungsstücke sind verschwunden“, so Georgiew.

Nach dem Mord suchten die Ermittler nach Hinweisen auf den Täter. Dazu würden Personen aus dem kriminellen Milieu überprüft, berichtete der Sender bTV am Montag unter Berufung auf die Polizei. Man gehe derzeit von einem Einzeltäter aus. Auch mögliche berufliche oder persönliche Motiven für die Tat sollen unter die Lupe genommen werden. Bulgariens Generalstaatsanwalt Sotir Zazarow und Innenminister Mladen Marinow arbeiteten vor Ort in der Stadt Russe an der Aufklärung des Falls.
Unterdessen forderte der Vertreter für Medienfreiheit bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Harlem Désir, die Behörden auf, „schnell festzustellen“, ob dieser Angriff „mit ihrer Arbeit verbunden“ ist.
I will closely follow investigation into horrific murder of investigative journalist Viktoria Marinova in #Bulgaria. #noimpunity for killers of Journalists. Need to quickly determine if linked to her work. Full statement:  https://t.co/03YNjQ93CL— OSCE media freedom (@OSCE_RFoM) 7. Oktober 2018
Die zuständigen Behörden müssten klären, ob das Verbrechen in Verbindung zu der Arbeit der Frau stehe, sagte auch der Sprecher von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Brüssel. Es gehe darum zu garantieren, dass Journalisten überall sicher seien und ihre wertvollen Beiträge für die demokratischen Gesellschaften leisten könnten. „Die EU-Kommission erwartet von der verantwortlichen Behörden eine rasche und gründliche Untersuchung“, sagte er.
Sie moderierte zuletzt eine Sendung über möglichen Betrug mit EU-Fördergeldern
Am Dienstag kam die Nachricht, dass ein Rumäne als Tatverdächtiger festgenommen worden sei. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine Regierungsquelle, die mit den Ermittlungen vertraut sei. Das bulgarische Innenministerium wollte die Information bislang nicht bestätigen, aber auch nicht dementieren. Der Verdächtige soll unbestätigten Angaben zufolge neben der rumänischen Staatsangehörigkeit auch einen moldawischen Pass besitzen.

Marinowa, die eine siebenjährige Tochter hinterlässt, arbeitete beim Fernsehsender TVN, der im Nordosten Bulgariens sehr beliebt sein soll. Landesweit soll sie aber nicht sehr bekannt gewesen sein. Sie moderierte zuletzt eine Sendung namens Detector. In der jüngsten Ausgabe hatte interviewte sie Investigativ-Journalisten aus Bulgarien und Rumänien, die zu einem angeblichen Betrug mit EU-Fördergeldern recherchiert hatten. Darin verwickelt sein sollen laut Medienberichten Unternehmer und bulgarische Politiker.
„Es ist unmöglich zu glauben, dass dieser Mord zufällig ist, nachdem er nur wenige Tage nach einer Sendung stattfand, in der ein so massiver Missbrauch von Geldern thematisiert wurde. Ich bin froh, dass so viele Menschen hier sind“, zitiert Reuters Stoika Panagonowa, Mutter von drei Kindern, die an einer Mahnwache für die getötete Journalistin in Russe teilnahm.
Das europäische Amt für Betrugsbekämpfung OLAF weigerte sich, den Mord zu kommentieren. Aber aus der Pressestelle hieß es, man sei „über Vorwürfe bezüglich eines möglichen Missbrauchs von EU-Geldern in Bulgarien informiert, die von Journalisten in den letzten Wochen aufgedeckt wurden“.
In den letzten zwölf Monaten gab es noch zwei auf­se­hen­er­re­gende Journalisten-Morde in der EU 
Im vergangenen Oktober war die prominente maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia, die die Offshore-Geschäfte des maltesischen Premierministers im Panama-Papers-Skandal aufdeckte, in ihrem maltesischen Wohnort Bidnija von einer Autobombe getötet worden.
Im Februar dieses Jahres wurden der slowakische Journalist Ján Kuciak und seine Verlobte Martina Kušnírová in ihrem Haus im westslowakischen Dorf Veľká Mača erschossen. Der 27-Jährige hatte zuvor über die Verfilzung von Politik und Geschäftemacherei recherchiert. Seine unvollendete Reportage über mögliche Verbindungen italienischer Mafia-Clans zu slowakischen Regierungsmitarbeitern wurde erst nach seinem Tod veröffentlicht.

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