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Nach Suizid-Anstieg um 67 Prozent: Theresa May ernennt erste Ministerin für Suizidprävention

Für den neuen Aufgabenbereich wurde von Premierministerin May die britische Abgeordnete Jackie Doyle-Price auserkoren.

Als ich Premierministerin wurde, stand ich auf den Stufen von Downing-Street und versprach, die drängenden Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft zu bekämpfen. Es gibt wenige größere Beispiele als die Ungerechtigkeiten, mit denen diejenigen mit psychischen Problemen konfrontiert sind“, wird May zitiert.

Die vor der konservativen Regierung liegende Aufgabe ist gewaltig. Durchschnittlich 6.000 Menschen sterben nach aktuellen Zahlen jährlich in Großbritannien und der Republik Irland durch die eigene Hand. Zehntausende weitere Menschen versuchen sich demnach jedes Jahr im Vereinigten Königreich ohne Erfolg, sich selbst das Leben zu nehmen. Von den freiwillig aus dem Leben Geschiedenen hatten demzufolge 90 Prozent eine diagnostizierte oder nichtdiagnostizierte psychische Erkrankung.
Nun soll eine Taskforce zusammengestellt werden, um mit Experten, gemeinnützigen Organisationen und Kliniken eine Präventionsstrategie zu entwickeln. Es gehe, so May, um eine „tatsächliche Parität zwischen psychischer und körperlicher Gesundheit“. Die neue Ministerin für psychische Gesundheit, Ungleichheiten und Selbstmordprävention Dolye-Price sagte dazu:

In meiner Zeit als Gesundheitsminister habe ich viele Menschen getroffen, die einen Angehörigen durch Selbstmord verloren, und ihre Geschichten über Schmerz und Verlust werden noch lange bei mir bleiben. Es sind diese Menschen, die im Mittelpunkt unseres Handelns stehen müssen, und ich begrüße diese Gelegenheit, eng mit ihnen und Experten zusammenzuarbeiten, um einen regierungsübergreifenden Plan zur Selbstmordprävention zu verfolgen und sicherzustellen, dass ihre Ansichten immer Gehör finden.

Bei der Selbsttötung handelt es sich um die häufigste Todesursache bei britischen Männern unter 45. Mehr Hilfe soll es auch für das Problem psychischer Erkrankungen von Kindern und durch die Hotline der Organisation Samaritans geben, einem kostenlosen und anonymen 24-Stunden-Service.  
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Doch das beklemmende Phänomen ist kein rein britisches. Laut WHO handelt es sich bei Selbstmord um die zweithäufigste Todesursache junger Menschen zwischen 15 und 19 Jahren. Auch in Deutschland sterben „deutlich mehr Menschen durch Suizid als zum Beispiel aufgrund von Verkehrsunfällen, Drogen und HIV zusammen“. Im Jahr 2015 entsprach das in der Bundesrepublik 10.000 Todesfällen. In Großbritannien ist die Problematik bei Teenagern rapide auf dem Vormarsch.

Die Zahl der Selbstmorde unter Teenagern in England und Wales stieg zwischen 2010 und 2017 um 67 Prozent an“, titelte der britische Independent im September 2018.

Die erschreckenden Zahlen liegen laut Beobachtern vor allem auch darin begründet, dass es die Politik der konservativen Torys gewesen sei, die der gesellschaftlichen Entwicklung Vorschub leistete, die sie nun vorgibt, eindämmen zu wollen. Die Schattenministerin der Labourpartei, Barbara Keeley, sprach in diesem Zusammenhang von einem „nationalen Skandal“.

Leider erhielten Programme für psychische Gesundheit unter dieser Tory-Regierung nicht die Ressourcen, die sie benötigen. Das bedeutete, dass Kinder, die auf die Programme angewiesen sind, zu oft überhaupt keine Hilfe bekommen. Diejenigen, die Hilfe bekommen, mit nicht zu akzeptierenden Wartezeiten kämpfen müssen – manchmal mit bis zu achtzehn Monaten.

Auch wenn für die britische Regierung allemal Grund zu massiver Sorge besteht, sind die Selbstmordzahlen auf der Insel dennoch rückläufig. So nahmen sich im Jahr 2017 insgesamt 5.821 Briten das Leben. Das entspricht laut dem Office for National Statistics einer alters-standartisierten Selbstmordrate von 10,1 auf 100.000 Einwohner. Das sei laut dem britischen Institut „eine der niedrigsten Raten, die seit Beginn unserer Datenreihe im Jahr 1981 beobachtet wurde, als die die Rate noch 14,7 Todesfälle betrug“. Die höchste Rate wäre demnach im Jahr 1988 feststellbar gewesen.
Für Keeley sind diese Zahlen jedoch alles andere als ein Grund zur Entwarnung:

Programme für psychische Gesundheit werden nach wie vor von der konservativen Regierung unterfinanziert“, so die Labour-Abgeordnete.

David Gunnell von der Universität Bristol verweist auf die Auswirkungen staatlicher Sparmaßnahmen und auf die komplexen Ursachen und Zusammenhänge zwischen Selbsttötungen und psychischer Gesundheit in Zeiten einer Rezession. Zwischen den Jahren 2008 und 2010 identifizierte er 1.000 zusätzliche Suizidfälle in Großbritannien und bis zu 40.000 zusätzliche Selbstmordversuche, die mit der wirtschaftlichen Rezession zusammenhingen.
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