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NATO konzentriert 40.000 Soldaten an Grenze zu Russland für Bündnisfall-Großübung

Mehr als 44.000 Soldaten sollen vom 25. Oktober bis zum 23. November an dem Manöver „Trident Juncture 2018“ in Norwegen teilnehmen, darunter 10.000 Bundeswehrsoldaten. Damit will die NATO für den sogenannten Bündnisfall trainieren. Dieser könnte ausgerufen werden, wenn einer oder mehrere der 29 Mitgliedstaaten von einem Gegner angegriffen würden. In der Folge müssten dann die anderen Alliierten Beistand leisten.
Nach der Annahme der „European Deterrence Initiative“ (Europäische Initiative zur Abschreckung) im Jahr 2014 hatte die NATO begonnen, ihre Präsenz an den russischen Grenzen mit Streitkräften und militärischer Infrastruktur stetig weiter auszubauen. 

Offiziell gegen kein bestimmtes Land – aber an der russischen Grenze
Die NATO-Zentrale in Brüssel betont offiziell, dass bei „Trident Juncture“ (Dreizackiger Verbindungspunkt) nicht konkret im Hinblick auf Russland geübt werde. Mit dem Manöver solle die gemeinsame Abwehr eines fiktiven Gegners trainiert werden, sagte eine Sprecherin der dpa.

Das Szenario und die Übung richten sich gegen kein bestimmtes Land.

Hinter vorgehaltener Hand bestätigen NATO-Diplomaten laut dpa zugleich, dass es natürlich kein Zufall sei, dass die Übung in einem Land ausgerichtet wird, das an Russland grenzt. Dabei verweisen sie auch auf russische Übungen wie Wostok (Osten).
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Allerdings hatte der Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa, Curtis Scaparrotti, bereits im Mai erklärt, die großangelegte NATO-Übung werde die Möglichkeiten der Allianz zur Eindämmung Russlands demonstrieren.

Diese Botschaft bezieht sich auf die Eindämmung“, so Scaparrotti nach einer Sitzung des Komitees der NATO-Stabschefs in Brüssel. „Die Übungen sind auf Verteidigungsaufgaben konzentriert.“

In der ersten Runde des bevorstehenden NATO-Manövers werden nach Bündnisangaben von Ländern wie Deutschland, Italien und Großbritannien gebildete „südlichen Kräfte“ einen Angriff von „nördlichen Kräften“ abwehren. Letztere sollen unter anderem aus Truppen der USA, Kanadas und Norwegens bestehen. In der zweiten Runde sieht das Szenario dann einen Gegenangriff der „südlichen Kräfte“ auf die „nördlichen Kräfte“ vor.

Quelle: AFP

© VANO SHLAMOV / AFP

NATO-Streitkräfte bei einer militärischen Übung in Georgien am zehnten Jahrestag des Krieges gegen Russland.

Für Gastgeber Norwegen ist die Übung mit enormem logistischem Aufwand verbunden. Die Streitkräfte rechnen zum Beispiel damit, dass 1,8 Millionen Mahlzeiten ausgegeben werden müssen und dass 660 Tonnen Schmutzwäsche anfallen.
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Die letzten NATO-Manöver, die größer waren als die bevorstehende Ausgabe von „Trident Juncture“, fanden nach Angaben von NATO-Diplomaten vor der Auflösung der Sowjetunion im Jahr 1991 statt. Damals gab es unter anderem noch die „Reforger“ abgekürzte Manöverreihe „Return of Forces to Germany“ (Rückkehr von Streitkräften nach Deutschland). An ihr waren bis zu 125.000 Soldaten beteiligt. Als das bislang größte NATO-Manöver nach dem Ende des Kalten Krieges gilt die Übung „Strong Resolve“ im Jahr 2002. Bei ihr waren rund 40.000 Soldaten im Einsatz.
Als Partnerländer der NATO sind bei „Trident Juncture“ Schweden und Finnland mit dabei. Insgesamt werden neben mehr als 44.000 Soldaten derzeit etwa 130 Flugzeuge, 70 Schiffe und mehr als 10.000 Fahrzeuge erwartet.
Kritik: Säbelrasseln mit Eskalationspotenzial
Dass die Bundeswehr so stark beteiligt ist, liegt daran, dass sie ab Anfang 2019 die Führung der schnellen Eingreiftruppe der NATO (Very High Readiness Joint Task Force – VJTF) übernehmen soll. Deutschland stellt neben rund 10.000 Soldaten auch mehr als 4.000 Fahrzeuge. Darunter sind unter anderem etwa 100 Panzer.
Wegen „Trident Juncture“ steigt die deutsche Beteiligung an internationalen Übungen in diesem Jahr auf die Rekordzahl von 12.000 Soldaten – das sind dreimal so viele wie im vergangenen Jahr. Die Kosten für die Übungen liegen nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums bei 90 Millionen Euro.
Scharfe Kritik an der Übung kam aus der Linksfraktion im Bundestag.

Solches Säbelrasseln lässt die Situation in Europa weiter eskalieren“, kommentierte der verteidigungspolitische Sprecher Tobias Pflüger.

Statt Militärmanövern, bei denen Angriff und Gegenangriff geübt werden, seien jetzt „mutige Abrüstungsinitiativen und Rüstungskontrolle“ nötig. Die Bundesregierung solle deswegen die deutsche Teilnahme an „Trident Juncture“ absagen.

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