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Nordkorea/USA | Das Große bleibt groß nicht

Mit der Absage des Besuches von Außenminister Mike Pompeo in Pjöngjang macht sich Präsident Trump vorübergehend außenpolitisch weniger angreifbar Wahre Worte sind nicht schön, und schöne Worte zumeist nicht wahr. Es war gut beraten, wer vom Gipfel der glatten Zungen zwischen Donald Trump und Kim Jong-un Anfang Juni in Singapur keinen Gezeitenwechsel erwartete. Jahrzehnte standen sich die USA und Nordkorea in verbissener Feindschaft gegenüber und schienen allzu oft auf dem Sprung zum Krieg. Es käme einem Wunder gleich, hätten beide Staaten plötzlich ein Räderwerk der Diplomatie in Betrieb genommen, das störungsfrei und geräuschlos seinen Dienst versieht. Insofern kann es nicht verwundern, dass Außenminister Mike Pompeo einen für diese Woche geplanten Besuch in Pjöngjang abgesagt hat. Die Differenzen über das nordkoreanische Atomprogramm seien zu groß. Das dürfte stimmen, aber nicht der alleinige Grund sein. Trumps Kokettieren mit Kim Jong-un war in den USA bisher nicht wohlgelitten und wird es kaum je sein. Zu sehr findet man das mutmaßliche Recht auf Feindschaft davon gestört. Ohnehin ist der US-Präsident gut beraten, in einem Augenblick innenpolitischer Abwehrkämpfe außenpolitisch weniger Angriffsfläche zu bieten und sich das Wohlwollen der Republikaner im Kongress zu erhalten. So wird Nordkorea wieder mit der härteren Gangart bedacht. Und solange sich China und die USA als Handelsmächte duellieren, entfallen konzertierte Aktionen zur Befriedung Koreas sowieso. Noch hält sich das Risiko, wieder in konfrontative Muster zu verfallen, in Grenzen. Die kleine – innerkoreanische – Entspannung aus Wirtschaftskooperation und Familienzusammenführung kompensiert, was die große schuldig bleibt. Dass die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel, wie von Trump und Kim in Singapur verkündet, bestenfalls ein Fernziel sein kann, steht außer Frage. Pjöngjang ist gut beraten, jedes übereilte Handeln zu vermeiden. Auf die Synchronität von Leistung und Gegenleistung zu drängen, ist für den Staat wie das System im Norden eine Existenzfrage. Wer bei einseitigen Schritten zu weit geht, ist schnell erpressbar und leicht zu schlagen. Wenn in Nordkorea jüngst das Atomtestgelände Punggye-ri zerstört wurde, dürfte das eine Geste des guten Willens gewesen sein, kein Verzicht auf strategische Substanz. Das kann und das soll Trump und Pompeo nicht gefallen. Lesen Sie mehr in der aktuellen Ausgabe des Freitag.

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